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Ein INTERVIEW von Dario Rutigliano und Barbara Scott, ARTiculAction Art Review, veröffentlicht 10.08.2016, Seite 16 ff.


Ein Interview und Video von Pilvi Keto-LeBlanc und Panu Johansson über  "Briefe aus Utopia" und "Heimat ist anderswo". X-Border-Biennale Rovaniemi/ Finland 2013

 

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REZENSION VIDEOGUD.

 

Med verket Home is Somewhere Else utforskar Eri Kassnel den smärtsamma upplevelsen av alt vara separerad från det sammanhang och de relationer som vi kan känna igen oss i; saknaden efter en förlorad tillvaro och längtan effer att hitta hem igen. Genom fotoalbumets arkiv av ögonblick kan vi försjunka i minnen och hoppas att den ordnade följden av biIder kan ge oss uppriktiga svar som överensstämmer med de känslor och sinnesintryck som vi vill återuppleva.
Men fotografierna i Kassnels verk föreslår aldrig någon väg tillbaka. I viss mån bär de på en faktisk patina och är förenade med ett affektivt värde. Men i ännu större utsträckning är de manipulerade för att påminna om något välbekant, men främmande eller förljugna i det att de istället är slumpmässigt tagna från en bil i rörelse.
Rörelsen visar möjligen på en riktning bort från nostalgins omedvetna idealiseringar och verkets titel öppnar upp för ett fortsatt sökande. Kanske är hemmet ingen plats utan en social process där vi får chansen att Iära känna andra? Kanske kan vi hitta hem någon annanstans?
Eri Kassnel (f. 1973 i Timisoara, Rumänien) är utbildad vid University of art i Bern och verksam i Diedorf, Tyskland. Med sina installationer, collage, fotografier och gestaltningar i rörlig bild återkommer hon ofta till minnets betydelse i konstruktionen av det egna jaget och hur föreställningar om ursprung och hemland påverkas av elt liv i exil.

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(Übersetzung VideoGUD):

 

"Mit dem Werk Heimat ist anderswo erforscht Eri Kassnel die schmerzhafte Erfahrung getrennt zu sein von Zusammenhängen und Beziehungen, in denen wir uns wiedererkennen können; der Verlust eines verlorengegangenen Daseins und die Sehnsucht wieder ein Zuhause zu finden. Durch den archivierenden Augenblick des Fotoalbums können wir uns in die Erinnerung versenken und hoffen, dass uns die geordnete Reihnfolge der Bilder eine aufrichtige Antwort gibt, die mit den wiedererweckten Gefühlen und Sinnenseindrücken übereinstimmt.

 

Aber die Fotografien in Kassnels Werk empfehlen nie einen Weg zurück. In gewisser Weise tragen sie eine tatsächliche Patina und sind verknüpft an einen emotionalen Wert. Aber in noch größerem Ausmaß wurden sie manipuliert um an etwas Wohlbekanntes zu erinnern, jedoch auch Befremdliches oder Vortäuschendes, da die Fotografien aus einem sich bewegenden Auto gemacht wurden. Die Dynamik der Bewegung eröffnet die Möglichkeit sich fort von der Nostalgie und ihrer unbewußten Idealisierung zu bewegen, und der Titel des Werkes läßt die Fortsetzung der Suche offen. Vielleicht ist Heimat kein Ort, sondern ein sozialer Prozess, in dem wir die Chance bekommen einander kennenzulernen? Vielleicht können wir auf andere Weise nach Hause finden?

 

Eri Kassnel (geb. 1973 in Timișoara, Rumänien) studierte an der Hochschule der Künste in Bern und arbeitet in Diedorf, Deutschland. Mit ihren Installationen, Kollagen, Fotografien und Gestaltungen in unklaren Bildern kehrt sie oft zurück zur Tragweite der Erinnerung im Konstrukt des eigenen Ichs, und wie die Reflexion über Ursprung und Heimat das Leben im Exil beeinflusst."

 

videogud.se

 


LAUDATIO KUNSTPREIS DER STADT KRUMBACH AM 12.03.2013:

 

"Heimat ist anderswo, 2012" ist ein Buchobjekt und Tei I einer geplanten mehrteiligen Reihe: bisher sind davon zwei Alben fertiggestellt, ein weiteres ist im Entstehen. Die Künstlerin selbst erweitert die Titelaussage zu einem Bedingungssatz: "Heimat, hat man sie einmal verloren, ist immer anderswo". Was im ersten Moment tautologisch klingt, löst Fragen aus: Kann man Heimat wiederfinden? Kann man sie nur in der Vergangenheit haben oder ist Heimat am Ende eher eine Utopie oder ein Trauma? Diese allgemeinen Fragen erfasst und verarbeitet Erika Kassnel-Henne­berg in einer sehr persönlichen, ruhigen Weise, die den Betrachter jedoch nicht ausschließt, sondern ihn durch sinnliche Präsenz anlockt: Alte Fotoalben wer­den aufwendig restauriert, mit golden eingerahmten, an lkonenmalerei erinnenden Bildfenstern versehen und dann mit persönlichem Material bestückt: Die Fotos sind zum kleineren Teil historische Relikte, zum größeren aber eigene Aufnahmen der Künstlerin, die meisten davon Schnappschüsse aus dem fahrenden Auto heraus; damit wird schon formal das Reisen, das Suchen, das Nicht-Zu-Hause-Sein angesprochen. Gleichzeitig spiegeln die neuen und mit einer digitalen Patina belegten Bilder die Schwierigkeiten der Suche nach Heimat: sie sind Sehnsuchtsbild und Fake zugleich, immer wieder versuchte Aneignung der Vergangenheit und Suche nach der eigenen Position in der Gegenwart. Das Werk ist kein spektakulärer
"Hingucker" -es ist eine leise, konsequent durchge­formte Arbeit, die umso mehr Seiten entfaltet, und umso mehr Saiten zum Klingen bringt, je mehr man sich Zeit mit ihr lässt. 

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(Translation, Laudatio, Art Prize of the town of Krumbach, 12.03.2013)

 

(...) It sounds tautological in the first moment, but triggers some questions: Is it possible to find home again? Is it possible to have it only in the past or is home finally a utopia or a trauma? These general questions comprehends and handles Eri Kassnel in a very personal and quiet way, which yet doesn’t exclude the beholder, but attracts him by sensual presence: (…) the photographs are to some extent historic relics, but to even bigger extent own pictures of the artist, most of them snapshots out of the moving car; in so doing the travelling, the searching, the not-being-at-home is approached. At the same time the new pictures, which where coated by a digital patina, reflect the complexity of the search for a home: they are pictures of longing and fake at the same time; they ever and anon try to acquire the past and search for one’s position in the present. The art piece is no spectacular eye-catcher – it is a calm, consequently configured work. It develops more aspects and touches more strings, the more you do it at your leisure.

 

www.kult-krumbach.de


AUSZUG AUS DER ERÖFFNUNGSREDE VON HELM ZIRKELBACH ANLÄSSLICH DER AUSSTELLUNG "ANSICHTSSACHE" AM 24.APRIL 2016:

 

(...) Mit den 365 Kunstkarten auf schwarzen Holztafeln von Eri Kassnel kommt auf einen Schlag eine dritte wiederum ganz andere Handschrift ins Kunstspiel der Karten und unschwer erkennen wir viele religiöse Motive, Heiligenbilder und Darstellungen der Mutter Gottes und dem Jesuskind. Diese beginnt die Künstlerin zu verweben mit Fotografien aus ihrer eigenen Vergangenheit, somit verbindet sie auf faszinierende Art, lebende, ihr selbst bekannte Menschen, wie ihre eigene Mutter und verwebt sie mit der Muttergottes, stellt sie ins Zentrum, oder stülpt der Heiligendarstellung einen anderen größeren Kopf auf, das irritiert und lässt mich erstaunen, mit was für einer Leichtigkeit dies zu gelingen scheint.
Der gute Katholik glaubt an einen Gott, der Person ist, dies ist aber nicht zu beweisen und man muss daran glauben, um es dann als Wirklichkeit anzuerkennen. Die Seele ist dann das Symbol, das die Einheit des menschlichen und göttlichen Personseins umschreibt.

 

Eri Kassnels Darstellungen dieser Mutter-Sohn-Bindung zeigen für mich diese Gratwanderung auf, indem sie Personen aus ihrem Umfeld z.B. in eine mit Gold besetzte Monstranz schemenhaft einfügt und sie somit zur Anbetung und Verehrung frei gibt.
Oder die große schwarz gerahmte Collage (...). Auf weiß getünchter Zeitungsvorlage erscheint die Schwarz-Weiß Aufnahme einer Frau, vielleicht mit ihren zwei Töchtern? Sie tragen alle drei Kleider aus ein und demselben Stoff, in der Mitte ist eine Postkarte einer Monstranz mit Heiligenfiguren, darüber steht handschriftlich "Dreifaltigkeit". Bezieht sich nun die Dreifaltigkeit auf die Kleidung der Frauen oder aber auf die Anordnung und Göttlichkeit der Personen, das bleibt uns Betrachtern überlassen.

Manchmal ist mitten im Sommer Herbst, manchmal mitten im Tag etwas nächtliches, wie die negativ Aufnahme eines alten Baumes, ich bin fasziniert und ich fühle mich starr, wie ohne Gelenke, wie ohne Glieder.
Das Kind, der Säugling Jesus, wird ausgewechselt mit vielleicht dem Bruder oder sonst wem und es wird dadurch für uns alle begreifbar dass das Kleinkind nur im Vertrauensvorschuss auf seine Mutter sich entwickeln kann, nur im Vertrauen auf eine andere Person, kann das eigene Personsein sich fruchtbar entwickeln.

 

Auch zeigt uns die Künstlerin dass dies nicht immer gelingen kann, indem sie roboterhafte Dämonen auftauchen lässt, die Mutter komplett einschwärzt und verschleiert, indem sie eine Vielzahl von Störungen in die Beziehung einbaut und wir erahnen, dass wir selbst eine enorme Anzahl von Störungen in uns tragen.
Dies scheint für mich die zentrale Aussage der aufreibenden und durchaus verstörenden Ikonenhaften Bildchen der Eri Kassnel zu sein. (...)